
Am 14. September 2008 hat der bundesweite "Tag des offenen Denkmals" stattgefunden. Die Stiftung Denkmalschutz spricht von stolzen 7500 der Öffentlichkeit zugänglichen Denkmälern bundesweit.
Eine traurige Ausnahme in Berlin's Mitte bildete jedoch die Eisfabrik der Norddeutschen Eiswerke in der Köpenicker Str. 40/41. Den dortigen Denkmal-Interessierten wurde kurzfristig jeglicher Zugang zum Grundstück verweigert und Bewohnern, die sich für den Erhalt der über 100 Jahre alten Eisfabrik einsetzen, droht der Eigentümer TLG Immobilien mit fristloser Kündigung.
Die Eisfabrik mit ihren eindrucksvollen Kühlhäusern und der vollständig erhaltenen Kühlmaschine der Firma Linde aus dem Jahre 1914 liegt zwischen Oberbaumbrücke und Jannowitzbrücke im Zentrum der geplanten und stark umstrittenen Mediaspree. Auf dem Grundstück der Eisfabrik, dessen östliche Seite zugleich die damalige Grenze zwischen Ost- und Westberlin zog, wurde bis 1991 Stangeneis hergestellt. Das Ensemble gehört zu den wenigen Ausnahmen in diesem Bezirk, welche den Krieg relativ unbeschadet überstanden.
Die TLG Immobilien übernimmt die Berliner Eisfabrik im Jahre 1995; im gleichen Jahr beschädigt ein ungeklärter Brand die Kühlhäuser schwer - die Dächer bleiben jahrelang offen und Witterung treibt den Verfall der Gebäude voran. Inzwischen sind im bewohnten Seitenflügel durch Schäden am Dach die Wohnungen durchfeuchtet, so dass Schimmelbildung und Wasserflecken an der Decke in den Wohnungen zu sehen sind. Ein nicht mehr bewohnter Seitenflügel ist bereits derartig geschädigt, dass zwei Etagen unter dem Dach ein Baum mitten im Zimmer wächst.
Nach intensiven Bemühungen von Denkmalschützern und Bürgervereinen konnte der TLG Immobilien kürzlich ein teilweises Zugeständniss zum Erhalt der Eisfabrik entrungen werden. Umso verwunderlicher daher das kalkulierte Vorgehen am vergangenen Wochenende, bei dem der fachkundigen Öffentlichkeit der Zugang zum Grundstück verwehrt wurde.
Den "Tag des offnen Denkmals" hatten die Bewohner der Eisfabrik mit Infotafeln, Videopräsentationen und Rundführungen durch den bewohnten Teil der Eisfabrik vorbereitet. Diese Veranstaltung wurde bereits im Januar 2008 bei der TLG angemeldet. Die kurzfristige Absage und einhergehende Kündigungsdrohung von Seiten der TLG erreichte die Bewohner am Tag vor der Veranstaltung - zu spät, um einen alternativen Ausstellungsraum zu organisieren. Einzig dem angeforderten Wachpersonal der Firma Gegenbauer wurde am Wochenende der Blick ins Innere der Eisfabrik gegönnt.
Die betroffenen Bewohner reagierten mit Einfallsreichtum und Improvisationstalent - Infotafeln werden auf einem geparkten Anhänger vorgestellt und den zahlreichen Besuchern wird eine Rundführung der besonderen Art geboten: Das benachbarte Radialsystem erklärte sich bereit, die Eisfabrik-Besucher in das oberste Stockwerk des Radialsystem zu führen, um einen seltenen Blick auf das Ensemble der Eisfabrik "von oben" zu werfen. Gratis dazu bekommt der Besucher an diesem klaren Spätsommertag ein wunderschönes Panorama über Kreuzberg - ein Anblick, den man geniessen sollte, denn er wird in dieser Form nicht mehr lange währen.